Edinburgh – die Stadt meines Lebens Teil I
eigentlich nicht nur die Stadt meines Lebens, sondern auch die Stadt, in die ich mich hoffnungslos verliebt habe. Aber ich will nichts überstürzen, sondern erst einmal erklären wie ich zu Edinburgh kam.

Angefangen hat eigentlich alles mit meiner Schwester Julia. Sie ist nur etwa eineinhalb Jahre älter als ich und schon immer ein Englandfan gewesen. (Jedoch sind Schotten etwa so glücklich darüber Engländer genannt zu werden, wie wir Österreicher es mögen Deutsche genannt zu werden…)
Na gut, im Winter 2007 kam Julia also mit dem Vorschlag zu mir “Hey, fahrma doch in den Semesterferien nach Schottland.” Ich war – natürlich – begeistert. Und im Februar sind wir dann samt 2 Freundinnen nach Edinburgh gestartet und haben auch noch 2 Tage London eingeschoben. Wir sind von Linz weggeflogen, wo ich schon einmal von dem wirklich süßen Flughafen begeistert war. In London kamen wir in der Nach gegen halb 11 an, und fuhren dann mit dem Zug vom Flughafen London Stansted in die Stadt hinein. Etwa gegen 23 Uhr waren wir dann wirklich im Stadtzentrum. Leider waren wir auch vollkommen orientierungslos. Nachdem wir nach ausgiebigem Lesen des Stadtplans (den wir Gott sei Dank doch noch eingepackt hatten) bemerkten, dass wir auf der völlig falschen Seite der Stadt waren, wollten wir mit der U-Bahn einfach zu unserem Youth Hostel fahren. Dummerweise hatte die U-Bahn um 23 Uhr bereits geschlossen. Eigentlich eine Frechheit in einer Stadt wie London, oder?
Wir machten uns also daher zu Fuß auf den Weg und verirrten uns prompt. Zu allem Überfluss hat es auch noch zu regnen begonnen (naja, was kann man anderes bei England erwarten?
). Wir beschlossen daher mit dem Bus zu fahren, aber wir hatten leider keine Ahnung welche Linie wir nehmen mussten. Also fragten wir einen Taxifahrer wie viel es bis zum Youth Hostel kosten würde. Dieser meinte 30 Pfund. Wir völlig entsetzt: “30 Pounds? That much?!” und er bejahte. Daraufhin beschlossen wir zu Fuß weiter zu gehen. Nach einer weiteren Stunde ziellosen Herumirrens nahmen wir uns dann doch ein Taxi und bezahlten schlussendlich 40 Pfund um endlich zu unserem Hostel zu kommen. Dort waren wir dann ungefähr gegen 2 Uhr, und die Rezeption hatte zum Glück noch geöffnet. Wir checkten ein und gingen prompt schlafen. Dummerweise waren wir 4 in einem 8-Betten Raum. Also waren noch 4 weitere Personen im Raum, die unweigerlich aufwachten, als wir ins Zimmer polterten. Und nachdem wir um 5 Uhr schon wieder aufstehen mussten, um unseren Flug nach Edinburgh zu erwischen, weckten wir sie nach schlappen 3 Stunden Schlaf auch schon wieder auf…
In Edinburgh angekommen fanden wir natürlich unser Bed & Breakfast (in weiterer Folge B & B) nicht sofort und nach einigem ratlosen Hin und Her fragten wir einen alten, verrunzelten, kleinen Mann, der uns auch sofort sehr hilfsbereit in tiefstem schottischen Englisch (strrrrrrrraight ahead) den Weg erklärte. Nach der recht anschaulichen Wegbeschreibung fanden wir unser B & B auch sofort und wurden von Mrs. Birnie auch gleich sehr herzlich empfangen.
In den folgenden Tagen erkundeten wir Edinburgh, was uns weniger wie eine Stadt, als eher viel mehr wie ein groß gewordenes Dorf, vorkam. Wir latschten die Royal Mile auf und ab und kletterten sogar auf einen Berg. Auch das Nightlife in Edinburgh ist einfach unverwechselbar. Aus den zahlreichen Pubs schallt Livemusik, und man hatte das Gefühl, das jeder Schotte Gitarre spielen und umwerfend singen kann. Im Zuge unserer pubcrawls lernten wir die Band The OK Social Club kennen. Raff, der Leadsänger, spielte in unserem ‘Stammpub’, dem Royal Mile Pub, live und wir beglückwünschten ihn zu seiner tollen Stimme und wünschten uns Mr. Brightside, unser ultimatives Edinburgh-Lied, was er uns auch prompt spielte. Später kamen wir auch mit den anderen Bandmitgliedern (Rick – der Schlagzeuger, Sandy – der Gitarrist und 2. Sänger) ins Ratschen.
Woran man in Edinburgh unmöglich vorbei kommt sind die Australier. Jah, richtig, Australier in Schottland?! An jeder Ecke trifft man einen jungen Australier, der einfach herumreist und sich mit Gelegeheitsjobs (wie zum Beispiel kellnern, werben oder diversen live Auftritten) über Wasser hält.
Diese Reise nach Edinburgh war für mich praktisch die 1. Reise meines Lebens ohne die Eltern. Sie ist für mich ein Zeichen meiner Unabhängigkeit, meiner Freiheit und meines Erwachsenwerdens. Edinburgh wird für mich immer eine gewisse Wirkung haben, ich werde immer begeistert von dieser Stadt sein, einfach, weil ich dermaßen viel Spaß dort hatte, und weil ich dort zum ersten Mal meine Freiheit ausgekostet habe. In einem fremden Land zu sein ist immer etwas Neues, und es liegt meistens an einem selbst, ob man positive oder negative Erfahrungen macht. Ich hatte das Glück, mit lauter sehr offenen, neugierigen und lustigen Persönlichkeiten zu reisen, sodass wir ungemein viel Spaß hatten. Durch die unkomplizierte Art meiner Schwester Julia und meiner besten Freundin Eva war die Reise einfach perfekt.


